Der DKV schreibt für Absolventinnen und Absolventen der Kunstuniversität Linz einen jährlich zu vergebenden Preis für Diplom- und Masterabeiten von besonderer künstlerischer Qualität aus, die eine religiöse, ethische oder soziale Relevanz aufweisen. Falls eine besonders herausragende Arbeit der Studienrichtung Architektur eingereicht wird, kann ein zweiter Preis vergeben werden.
Die Preisträgerin/der Preisträger erhält ein Preisgeld in der Höhe von Euro 1.500.-- und  die Möglichkeit, die ausgezeichnete Arbeit Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren.

 

AKTUELL: ► DIÖZESANKUNSTPREIS 2017 AN ELKE HALBMAYER FÜR

                      IHRE MASTERARBEIT "EINE FRAGE DER ZEIT".

                      ► FÖRDERPREIS FÜR ARCHITEKTUR AN DIE

                      GEMEINSCHAFTSARBEIT "UNTER DER BAHN"

                      VON NICOLE RODLSBERGER, JOHANNES SEBASTIAN

                      VILANEK UND JULIUS JELL 

 

Foto: Elke Halbmayer

 

Halbmayers Arbeit "Eine Frage der Zeit" besteht aus zwei Teilen, einer Installation und einem Video. Die Rauminstallation suggeriert die Situation eines Operationsraumes in Symbiose mit einer Großküche. Die einzelnen Bereiche sind durch blaue und weiße glänzende Vorhänge abgetrennt. Auf dem Behandlungstisch liegen auf dem Instrumentenarm neben dem Operationsbesteck rote Fäden an deren Enden Nadeln hängen. Auf einem Ablagewagen stapeln sich ausgezogene bereits getrocknete Strudelteige. Das Video zeigt in Nahaufnahme das Ausziehen eines frischen Strudelteiges und das Vernähen der dabei entstandenen Löcher mit Operationsbesteck und rotem Baumwollfaden.

„Eine Frage der Zeit“ hat die Jury aufgrund der Unmittelbarkeit ihrer Wirkung, der haptischen Qualität im Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien und der Vielschichtigkeit, die sich in der Rezeption der Arbeit ergibt, überzeugt.

Der ausgezogene Strudelteig, in der Weiterverarbeitung als Apfelstrudel ein Inbegriff der österreichischen Esskultur, verwandelt sich in Haut. Der Strudel erweckt Assoziationen an Heimat, Herkunft, Tradition, Identität. Das Vernähen mit rotem Faden ist ein Versuch des Umgangs mit dessen Brüchigkeit, die dem Mehl-Öl-Gemisch und den damit verbundenen Bildern von Identität immanent ist. 

Die Masterarbeit von Elke Halbmayer zeichnet sich insbesondere durch die Konsequenz aus, mit der die Künstlerin - auf der Basis einer einfachen Tätigkeit – unterschiedliche metaphorische Ebenen erzeugt und Fragestellungen eröffnet.

Die Objekte, Handlungen und ihre Bedeutungen sind nie eindeutig. Sie schaffen assoziative Räume, denen  existentielle Fragestellungen zugrunde liegen. Die Handlungen, das Ausziehen und Vernähen im Video, führen zusammen mit den Objekten, wie etwa den glatten und glänzenden Edelstahlobjekten im Spannungsfeld mit den auf dem Wagen gestapelten und mit Nähten überzogenen brüchigen „Strudelteighäuten“ auf subtile Weise das Wechselspiel zwischen Vergeblichkeit und Hoffnung und damit eine Grundkomponente menschlichen Lebens und Handelns vor Augen.

 

Die Arbeit "Unter der Bahn" stellt die Frage, wie eine nachhaltige Siedlungs- und Infrastruktur in einem bestehenden Einfamiliensiedlungsgebiet entwickelt werden kann, und diskutiert dabei sowohl städtebauliche und architektonische Ansätze wie auch soziale Gemeinschaftskonzepte.

In kritischer Auseinandersetzung mit aktuellen Diskussionen um Zersiedelung und soziale Isolation fordern Rodlsberger, Vilanek und Jell einen behutsamen Umgang mit der Ressource Land beziehungsweise Agrarfläche und einen respektvollen Austausch mit den Menschen vor Ort.

Die Projektgruppe entwickelt situationsspezifisch vielfältige und kreative Modelle zur nachträglichen Verdichtung. Sie schlägt sowohl An- und Umbauten am individuellen Einfamilienhaus, als auch komplexere Bebauungskonzepte für Restflächen im Siedlungsverband vor. Dabei vermeidet sie es ein normatives Standardmodell zu entwickeln, sondern verweist auf die Relevanz prozessorientierter Planung in kontinuierlicher Kommunikation mit den lokalen AkteurInnen. Als planerische Methode ist dieser Ansatz auf eine Vielzahl von Ortschaften mit ähnlichen Problemstellungen übertragbar.

Die Arbeit besticht durch die Kreativität der entwickelten Lösungsmöglichkeiten, hinterfragt zugleich aktuelle Planungsdebatten aber auch die eigenen Entwurfsansätze. Konsequenterweise werden Varianten von Siedlungsmodellen zur Nachverdichtung angeboten. Sie besitzt gesellschaftliche Relevanz indem sie Architektur und den Raum dazwischen auch mit sozialer Verantwortlichkeit betrachtet.

 

Jury:  Dr.in Martina Gelsinger, Kunstreferat der Diözese Linz, Obfrau Diözesankunstverein Linz; Mag. Holger Jagersberger, Leiter Atelierhaus Salzamt; Univ.-Prof. Dipl.des Frank Louis, Leiter der Abteilung für Plastische Konzeptionen/Keramik, Kunstuniversität Linz;

Jury für Architektur: Univ.-Prof. in Dr.in Anna Minta, Katholische Privat-Universität Linz, Mag. Franz Koppelstätter, Leitung Architekturforum Linz

 

Foto: Micha Gerersdorfer

v.l. n.r.: Prof. Frank Louis (Kunstuni), Dr. Martina Gelsinger (Kunstreferat, Obfrau des DKV), Architekturpreisträger Johannes S. Vilanek MArch, Mag. Franz Koppelstätter (architekturforum oö)

 

"Ausgezeichnete Kunst" - Beitrag in der Kirchenzeitung

 

 

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DIÖZESANKUNSTPREIS 2016 AN VIOLETA IVANOVA

Violeta Ivanova zeigt Staub, der auf die Wände der Krypta der Linzer Ursulinenkirche projiziert wurde. Die schwebenden Staubpartikel eröffnen ein breites Spektrum von Assoziationsmöglichkeiten, die sich auf die Krypta als Ort des Zerfalls der menschlichen Materie beziehen. Unwillkürlich werden aber auch Bilder von Staub als unvermeidlicher Begleiter im Alltag sichtbar. Darüber hinaus erschließt sich von den winzigen, in Vergrößerung vor einem dunklen Hintergrund gezeigten Staubpartikeln ein scheinbarer Einblick in den Kosmos, wie ihn Weltraumteleskope ermöglichen. Überzeugt hat die Jury die Komplexität der Arbeit, die aus der Einfachheit und Klarheit der eingesetzten Mittel resultiert und auf poetische Weise Alltägliches, Existentielles und Phänomene aus der Naturwissenschaft miteinander verbindet.

 

Foto: Mojtaba Mousavi

 

Für ihre Diplomarbeiten an der Linzer Kunstuniversität wurden KünstlerInnen ausgezeichnet, die mittlerweile einen festen Platz im Kunstbetrieb haben, wie Markus Schinwald, Paul Kranzler, Rainer Gamsjäger, Claudia Czimek, Katharina Struber, Irma Kapeller und Iris Christine Aue. Darüber hinaus wurden herausragende Architekturdiplomarbeiten u.a. von Anna Heringer, Gunar Wilhelm und Tobias Hagleitner sowie Franz Koppelstätter mit dem Förderpreis in der Sparte Architektur ausgezeichnet.

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